Die Elefanten vom „Elephant Nature Park“ [Gastbeitrag]

Ein Gastbeitrag von Conny Dittrich.

Schon zu Hause während der Urlaubsplanung wissen wir, dass wir Elefanten sehen wollen. Wir informierten uns und beschlossen in ein Elefantencamp zu fahren. Elefanten gehören nicht in den Dschungel, um schwere Bäume zu schleppen. Geld verdienen, um zu leben, müssen die Thais aber auch. Also, so dachten wir, unterstützen wir doch den Elefantentourismus. Ich bin sehr froh, dass wir nicht auf einem Elefanten geritten sind, sondern uns für den Elephant Nature Park (ENP) entschieden haben.

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 In Chiang Mai angekommen, buchen wir also einen Ausflug von deren Büro aus in den ENP. Mit einem kleinen Transporter werden wir von unserem Hotel abgeholt. Wir sind sehr aufgeregt und freuen uns. Schon im Auto wird uns viel über die Organisation und die Elefanten erzählt. Als wir auf das Gelände fahren, ist es endlich soweit…

In der Ferne sahen wir Elefanten. Ein wunderschönes gemütliches Holzhaus mit großer Terrasse bildet den Mittelpunkt. Überall gibt sind Hunde, Katzen liegen faul auf den Dächern und Rinder sehen wir auch. An der Terrasse stehen schon einige Elefanten und warten auf Leckereien. Wir können sie mit Bananen füttern. Den Rüssel zu berühren löst ein unglaubliches Glücksgefühl aus. Wie fest und stark sich die Haut anfühlt, denke ich. Noch heute wird mir ganz warm ums Herz, wenn ich an diesen Moment denke.

Im ENP sieht man niemanden auf einem Elefanten reiten und auch keinen Hook, vor dem so gut wie jeder Elefant große Angst hat und von dem sie gezeichnet sind. Ein Hook ist spitze Hacke, die zum Trainieren eines Elefanten benutzt wird. Mit diesem werden sie tage-, wochenlang geschlagen, verletzt und gedemütigt, bis sie gehorchen. Und auch in späteren Jahren haben Mahouts (das sind die Elefantenpfleger und treuen Begleiter eines Elefanten) einen solchen Hook dabei. Im ENP füttern wir die Elefanten, gehen mit ihnen in den Fluss, bepackt mit einem Eimerchen und einer Bürste, und schrubben ihnen kräftig den Rücken, sofern man sich traut oder wir sitzen einfach nur da und beobachten sie.

Danach wird uns unser Bungalow gezeigt, gemütlich, ein Bett mit dicken Federbetten. Die brauchen wir auch, denn es ist ganz schön kalt in der Nacht. Rund um den Bungalow ist eine Terrasse, von der aus wir auch die Dickhäuter sehen. Uns begleitet ein schwarzer großer Hund, der bestimmt die Nacht vor unserer Hütte verbringt.

Wir gehen zu einer Vorführung und lernen Lek Chailert kennen, die Gründerin des ENP. Wir sehen uns einen Film an und sind danach alle geschockt. Tränen laufen. Wir gehen wieder auf die Terrasse und sehen die Welt mit anderen Augen. Wie können Menschen nur so etwas tun?

Was wir sahen, war ein Film wie man schon seit Tausenden von Jahren Elefanten dazu bringt, Holz aus dem Dschungel zu bringen und für die heutige Zeit Bilder malt, auf ihnen Reiten, mit ihnen auf der Straße betteln kann. Das Training der Elefanten sieht, wenn es schnell gehen soll, so aus: Sie werden im Alter von etwa 3 Jahren von ihrer Mutter getrennt und in ein Trainingscamp gebracht. Dort werden sie in einen kleinen Käfig gesperrt, an allen Beinen festgebunden, sie bekommen weder Futter, noch Wasser. Immer wieder werden sie misshandelt mit eben diesem Hook. Man schlägt ihnen damit auf den Kopf, die empfindlichen Ohren, die Füße überall wo es weh tut. Das tun sie, um den Willen zu brechen. Irgendwann geben die Elefanten auf und gehorchen. Diese Misshandlung vergisst ein Elefant nie. Trifft ein Elefant irgendwann einmal auf seinen Peiniger, wird er versuchen ihn zu töten. Das ist nun mal so. Schon während des Trainings sterben allerdings bereits 40 Prozent! Alle die überleben, kommen dann in ein Elefantencamp, lernen Malen oder werden zum Streetbagging benutzt, um auf Bangkoks lärmenden und gefährlichen Straßen nach Futter und Geld zu betteln.

 Über das Gelände werden wir von einer Frau geführt, die Haut mit Tattoos geschmückt, einen weiten Hut über den Kopf gezogen. Sie sagt uns, wir sollen immer bei ihr bleiben. Elefanten sind Wildtiere, und diese Elefanten hier sind traumatisiert, wenn sie schreit: „RUN!“, dann sollen wir rennen, allerdings nicht jeder in eine Richtung, sondern immer ihr hinter her! Mir wird etwas mulmig, nun gut, es wird schon nichts passieren. Wir laufen los und befinden uns mit unter den Elefanten! Kein Zaun, nichts trennt uns von ihnen. Ich lerne das Elefantenbaby Tong Jan kennen. Er lebt zusammen mit seiner Mutter Mae Bua Tong im ENP. Tong Jan läuft zu uns herüber. Süß, das kleine Baby, das bereits jetzt schon größer ist als ich. Tong Jans Körper ist übersät von langen borstigen Haaren. Er will spielen. Das ist nicht ganz ungefährlich. Unruhig schauen Mutter und Tanten zu uns herüber. Wir schieben ihn zu seiner Familie zurück. Der denkt aber gar nicht daran, wieder weg zu wackeln. Neugierig schnuppert sein Rüssel alles ab, vielleicht ist ja in den Taschen irgendetwas Leckeres zu finden. Mutter und Tanten machen sich langsam auf den Weg in unsere Richtung, dann rennt Tong Jan wieder zu seiner Mutter.

 Ihm wird ein Training erspart bleiben, er lebt für immer im Park. Trainiert wird er trotzdem. Aber auf sanfte Weise und nur zu Zwecken eines Tierarztbesuches oder Abwechslung und Spielen. Zu jedem Elefanten erzählt uns die Frau eine bestürzende Geschichte. Wir lernen Max, den wohl größten derzeit lebenden Elefanten kennen. Er ist alt und kann nicht richtig laufen. Er lebte auf einem Schrottplatz, wo er mehrmals von Autos angefahren wurde und deshalb nur noch ganz langsam laufen kann. Fast wie in Zeitlupe. Aber auch er kommt einmal täglich zur Terrasse und wartet auf die Leckereien. Danach macht er sich wieder auf den Weg zu seinem Platz. Eine andere Elefantenkuh wurde als Arbeitselefant  im Dschungel eingesetzt, und verletzte sich dabei. Danach wurde sie zu einem Bullen gebracht, damit sie ab jetzt Babys produzieren kann. Allerdings geriet sie an einen Bullen, der sich in freier Natur überhaupt nicht für sie interessiert hätte. Und da sie fest angebunden war und der junge Bulle immer wütender und frustrierter wurde, warf er sich auf sie und vergewaltigte sie so brutal, dass er ihr die Hüfte brach. Niemand konnte dazwischen gehen. Heute kann sie kaum laufen, hat nun aber im Park eine treue Elefantenfreundin gefunden.

So sehen viele Vergangenheiten der dort (teilweise befristet) lebenden Elefanten aus. 

Lek und ihr Team sind ständig auf der Suche nach Elefanten, denen es sehr schlecht geht und versucht sie ihrem Besitzer abzukaufen. Das ist nicht einfach, denn für viele ist dies die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen. Lek holt oft auch schwangere Elefanten, die im Park zumindest ihre Babys bekommen und die ersten Jahre mit ihnen mit Park verbringen dürfen. In dieser Zeit gehen die Verhandlungen über den Abverkauf weiter. Dies gelingt nicht immer. So auch bei uns. Am nächsten Morgen versuchen mehrere Mahouts eine Elefantenkuh und ihr Baby auf einen LKW zu laden. Die anderen Elefanten drum herum sind aufgeregt und wütend, trompeten, wollen sich losreißen, denn sie wurden vorher angebunden. Wir sitzen am Rand, sind tief bestürzt und traurig, doch es hilft nichts. Die Mutterkuh soll in ein Camp und das Baby zum Training. Wir können nichts machen. Der Besitzer will nicht verkaufen. 

Ich weiß, meine Geschichte klingt alles andere als aufmunternd und fröhlich. Und trotzdem lässt sich die Wahrheit nicht immer schön reden. Es ist eine über 6000 Jahre alte Tradition und wenigstens sind wir in den meisten Fällen schon von den Arbeitselefanten im Dschungel weg. Illegal sind trotzdem noch Elefanten im Dschungel im Einsatz. Aber wo Nachfrage besteht, gibt es auch ein Angebot. Wir wussten es damals erst nicht besser. In den Medien ist immer wieder die Rede davon, wie gern ein Elefant einen Pinsel schwingt oder wie sehr man die Natur auf dem Rücken eines Elefanten entdecken kann. Dass der Rücken für einen dieser schweren Sattelgestelle gar nicht geschaffen ist, sagt einem keiner. Einfach dort im Park auf einer Bank oder der Terrasse mit Bananen zu sitzen, die sich die Elefanten mit Genuss hineinstopfen oder auf den Hochständen, die so gemütlich und einladend sind, zu stehen, mittags und abends das vegane und wirklich super leckere Essen gemeinsam zu genießen, morgens in aller Früh die Elefanten im Nebel mit den Bergen im Hintergrund zu sehen … das ist für mich das Allergrößte! Und ich freue mich, bald wieder dort zu sein. Der Ausflug dorthin oder eine Übernachtung kosten nicht wenig, allerdings fließt das Geld zum Wohle der Elefanten und die die noch gerettet werden müssen! Außerdem kann man auch als Freiwillige(r) arbeiten und so noch mehr in Kontakt mit den Elefanten treten. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, im Elephant Nature Park zu sein. Verliebt man sich in einen der Hunde oder Katzen, so ist es durchaus möglich und gewollt, sie zu adoptieren und ihnen ein neues Zuhause zu schenken.

Mehr Informationen gibt es auf www.elephantnaturepark.org

 

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